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Kehlsteinhaus · 1937 bis heuteDie Geschichte des Hauses
Das Kehlsteinhaus ist ein Bau der NSDAP, errichtet 1937/38 auf Betreiben Martin Bormanns. Hitler war selten dort. Seine Bedeutung bekommt das Haus nicht durch das, was oben geschah, sondern durch den Ort, zu dem es gehört: den Obersalzberg.
- 1937/38 Bau
- 25.4.1945 Luftangriff, Haus unbeschädigt
- 17.5.1952 Berggaststätte
- 1960 Landesstiftung
- Hitlers Besuche
- rund ein Dutzend
- Tage am Obersalzberg
- über 1.000
- Ausstellung oben
- im Ticket
Angaben geprüft am 21.09.2026 · Quellen: Historisches Lexikon Bayerns, Dokumentation Obersalzberg / Institut für Zeitgeschichte, Betreiber · Foto: Kajebi II., CC BY-SA 4.0, entsättigt
Wer das Kehlsteinhaus gebaut hat – und wozu
Das Kehlsteinhaus wurde 1937/38 errichtet und 1938 fertiggestellt. Es war ein Projekt Martin Bormanns, der den Ausbau des Obersalzbergs für die NSDAP betrieb. Das Historische Lexikon Bayerns beschreibt es als zweites Teehaus: Ein erstes stand bereits am Mooslahnerkopf, als Ziel für Hitlers Nachmittagsspaziergänge. Das zweite sollte „in noch exponierterer Lage“ liegen – auf einem Bergsporn in 1.834 Metern Höhe.
Gedacht war das Haus als Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit, für Empfänge von Diplomaten und ausländischen Gästen. Dafür wurde mit großem Aufwand eigens eine Straße in die Felswand gebaut: sechseinhalb Kilometer, 800 Höhenmeter, fünf Tunnel. Vom Ende der Straße führen ein 124 Meter langer Tunnel und ein Aufzug mit weiteren 124 Metern ins Haus.
Eine verbreitete Erzählung stimmt nicht: Das Kehlsteinhaus war kein Geschenk zu Hitlers 50. Geburtstag im Jahr 1939. Der Betreiber weist darauf ausdrücklich hin. Das Haus war zu diesem Zeitpunkt längst fertig.
Zu Baukosten, Zahl der Arbeiter und Bauzeit in Monaten kursieren viele Zahlen. Wir haben sie weder beim Institut für Zeitgeschichte noch im Historischen Lexikon Bayerns noch beim Betreiber belegt gefunden und nennen sie deshalb nicht.
Hitler und das Kehlsteinhaus
Hitler hat das Haus kaum genutzt. Nachweisen lassen sich nur rund ein Dutzend Besuche, und nur, um Diplomaten oder andere ausländische Gäste zu empfangen. Häufiger fuhr Eva Braun mit Freundinnen und Gästen hinauf; die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage nutzte das Haus zur Erholung und für private Feiern. Seine politische Bedeutung blieb gering.
Wer „Hitlers Haus“ sucht, sucht also am falschen Ort. Das Kehlsteinhaus war eine Kulisse. Regiert wurde rund 800 Meter tiefer.
Der Berghof am Obersalzberg: wo tatsächlich regiert wurde
Hitler kam 1923 zum ersten Mal auf den Obersalzberg, mietete 1928 das Haus Wachenfeld und kaufte es im Juni 1933. 1935/36 wurde es erheblich erweitert und hieß von da an Berghof. Er wurde zum Zentrum eines abgeschirmten „Führersperrgebiets“. Bormann kaufte auf Rechnung der NSDAP die umliegenden Anwesen auf; wer nicht verkaufen wollte, wurde massiv unter Druck gesetzt, bis hin zur Androhung von KZ-Haft. 1937 hörte das Dorf Obersalzberg auf zu existieren.
Zwischen 1933 und 1944 verbrachte Hitler über 1.000 Tage am Obersalzberg – rund ein Viertel seiner Regierungszeit. Der Berghof war nach Berlin das wichtigste Herrschaftszentrum des NS-Staates. War Hitler anwesend, wurde von hier aus Krieg geführt. Am Obersalzberg wurde über Verfolgung, Krieg und Völkermord entschieden; die Dokumentation Obersalzberg nennt den Ort deshalb einen Täterort und verknüpft ihn in ihrer Ausstellung mit den Tatorten in ganz Europa.
Zwischen Juli 1943 und Kriegsende entstand unter dem Gelände ein weitläufiges Bunkersystem. Gebaut haben es mehrere Tausend Zwangsarbeiter vieler Nationalitäten, die in Lagern am und um den Obersalzberg untergebracht waren. Hitler verließ den Obersalzberg endgültig am 14. Juli 1944.

1945: Luftangriff, Befreiung, „Eagle's Nest“
Am 25. April 1945 bombardierte die britische Royal Air Force den Obersalzberg und zerstörte zahlreiche Gebäude. Militärisch hatte der Angriff nur noch symbolische Bedeutung. Das Kehlsteinhaus wurde nicht getroffen. Am Abend des 4. Mai erreichten Truppen der 2. französischen Panzerdivision und der 3. US-Infanteriedivision den Berghof, den abrückende SS-Wachen zuvor angezündet hatten. Wenig später folgte die 101. US-Luftlandedivision, die als erste zum Kehlsteinhaus vorstieß. Gekämpft wurde nicht mehr.
Im englischen Sprachraum heißt das Haus „Eagle's Nest“. Betreiber und Tourismusverband führen den Namen bis heute als Zweitnamen. Wann und durch wen er aufkam, ist in den von uns geprüften Quellen nicht belegt – wir lassen die gängigen Anekdoten deshalb weg.
Kehlsteinhaus früher und heute: von 1952 bis jetzt
1949 übertrug die amerikanische Besatzungsverwaltung den früheren NS-Besitz am Obersalzberg dem Freistaat Bayern. Die ausgebrannte Ruine des Berghofs wurde am 30. April 1952 gesprengt, das Gelände aufgeforstet, die Bunkerzugänge vermauert – in der Hoffnung, den „Hitlertourismus“ zu beenden. Das gelang nicht.
Das Kehlsteinhaus blieb stehen. Parallel zur Sprengung des Berghofs gab die US-Verwaltung es für den Fremdenverkehr frei. Am 17. Mai 1952 wurde es nach Umbauten als Berggaststätte eröffnet; bis 1962 war es an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins verpachtet. Im selben Jahr 1952 wurde die Kehlsteinstraße für den Individualverkehr gesperrt und der Linienbus eingerichtet.
Seit 1960 ist die Berchtesgadener Landesstiftung für das Haus zuständig. Die Einnahmen aus der Verpachtung und aus dem Busbetrieb fließen in gemeinnützige Zwecke im Landkreis Berchtesgadener Land. 2017 fuhren über 400.000 Menschen hinauf.

Kehlsteinhaus innen: was von der Geschichte zu sehen ist
Innen ist das Kehlsteinhaus ein Restaurant. Vom historischen Bau siehst du den Tunnel, den Messingaufzug und den großen Kaminsaal. Auf der Sonnenterrasse zeigt das Institut für Zeitgeschichte eine Ausstellung mit 14 Tafeln: historische Fotografien und Texte zur Veränderung des Obersalzbergs seit 1933, zum Bau von Straße und Haus und zur touristischen Nutzung nach 1945. Sie ist im Busticket enthalten.
Ehrlich gesagt: Wenn du wegen der Geschichte kommst, ist das Kehlsteinhaus der schwächere Teil des Tages. 14 Tafeln auf einer Terrasse ersetzen kein Museum – der Betreiber sagt selbst, die Ausstellung sei keine Kurzfassung der Dokumentation, sondern solle zum Besuch dort anregen. Die Geschichte dieses Ortes wird unten erzählt, in der Dokumentation Obersalzberg – für 4,50 €, und mit dem Kehlsteinticket am selben Tag ohne weiteren Eintritt. Was heute sonst am Hang steht, beschreibt die Seite Obersalzberg heute.
Wer die Geschichte am Ort selbst erklärt bekommen möchte: Ein Guide führt in drei Stunden über das Gelände und hinauf zum Kehlsteinhaus, in englischer Sprache – Historische Tour zum Kehlsteinhaus in Berchtesgaden, ab 69,90 €, 224 Bewertungen (Anzeige, GetYourGuide).
Woher die Angaben stammen
| Angabe | Quelle | Geprüft |
|---|---|---|
| Zweites Teehaus 1937/38, rund ein Dutzend Besuche, Eva Braun, Berghof, Vertreibung, über 1.000 Tage, Bunkerbau und Zwangsarbeit, 14. Juli 1944, Luftangriff, 4. Mai 1945, 1949, Sprengung 1952, Landesstiftung, Besucherzahl 2017 | Sven Keller: Obersalzberg, Historisches Lexikon Bayerns | 21.09.2026 |
| Projekt Bormanns, Fertigstellung 1938, kein Geburtstagsgeschenk, nicht getroffen, Eröffnung 17. Mai 1952, Alpenverein bis 1962, Stiftung 1960, 14 Tafeln | Kehlsteinhaus, Betreiberseite – Geschichte | 21.09.2026 |
| Repräsentationsort, geringe Bedeutung, Nutzung durch die NS-Entourage, Ausstellung des IfZ auf der Terrasse, Straße, Tunnel, Aufzug, Sperrung der Straße 1952 | Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden – Kehlsteinhaus | 21.09.2026 |
| „Täterort Obersalzberg“ | Institut für Zeitgeschichte München–Berlin | 21.09.2026 |
| Haus Wachenfeld 1923/1928/1933, Sperrgebiet | Dokumentation Obersalzberg – Historischer Ort | 21.09.2026 |
| Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“, Kapitel „Täterort und Tatorte“ | Dokumentation Obersalzberg – Dauerausstellung | 21.09.2026 |
| Eintritt Dokumentation | Dokumentation Obersalzberg – Besuch | 21.09.2026 |
| Tourpreis, Bewertungen | GetYourGuide, Partnerdaten | 21.09.2026 |